Pressemeldungen

Quelle: Anglerverband Niedersachsen e.V. - www.av-nds.de

Der Anglerverband Niedersachsen hat ca. 1 Millionen Jungaale in

ganz Niedersachsen besetzt.

Wasserkraft und Querbauwerke größte Bedrohung für Wanderfische

Von Ostfriesland über das Cuxland, von den Regionen rund um den Dümmmer und das Steinhuder Meer und weiter bis in die Heide haben Angelvereine des AVN in der vergangenen Woche fast eine Million junge Aale in ihre Gewässer entlassen.

“Das dürfte eine der größten, wenn nicht die größte Artenschutzmaßnahme in ganz Deutschland sein”, resümiert Ralf Gerken. Der Naturschutzexperte koordiniert seit 10 Jahren die von der EU und dem Land Niedersachsen mit bis zu 60% der Kosten geförderte Besatzaktion.

Seit 2011 die EU-Aalbewirtschaftugspläne auch in Niedersachsen umgesetzt werden, haben AVN-Vereine hierzulande gut 15,5 Millionen Aale besetzt.

Aktuelle Studien belegen, dass nach Jahren im freien Fall die Bestände langsam wieder Fuß fassen und sich stabilisieren. In den Flussgebietsystemen von Ems und Weser seien die Bewirtschaftungsziele fast erreicht, berichtet auch Dr. Markus Diekmann vom Ministerium für Landwirtschaft in Hannover. Allein für die Elbe seien die Zahlen noch nicht auf einem Niveau, das eine ausreichende Abwanderung großer, laichreifer Aale gewährleisten würde. Fang-Wiederfangexperimente deuten darauf hin, dass 80-90% der Aale in unseren Gewässern mittlerweile aus Besatzmaßnahmen stammen.

“Das Kernproblem ist und bleibt die Wasserkraft und Tausende von Querbauwerken in unseren Flüssen, die nicht nur für Aale unpassierbar sind”, so Gerken.

Daher könne eine derartige “Rettungsaktion” nur eine Übergangslösung sein.

“Die Landesregierung muss sich eindeutig und mit letzter Konsequenz zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) bekennen”, meint der Experte.

Gerade erst habe der Verband eine kritische Stellungnahme zu den geplanten Bewirtschaftungsplänen für Niedersachsens Gewässer abgegeben: “Es gibt einige geringfügige Verbesserungen und milde Absichtserklärungen.

Die reichen aber bei weitem nicht aus, um allein unsere als prioritär oder höchst prioritär eingestuften Fließgewässer in einen guten ökologischen Zustand zu versetzen.”

Aktuell erreichen diese Zielmarke der EU nur 2%!!! der Gewässer in Niedersachsen.

“Für die Wiederherstellung unserer Gewässer brauchen wir mehr Geld als die veranschlagten 1,3 Milliarden EURO, mehr Fachpersonal, ein konsequentes Monitoring, endlich verbindliche rechtliche Maßstäbe für den Betrieb von Wasserkraftanlagen und die Gewährleistung der Funktionsfähigkeit von dort errichteten Fischwanderhilfen.”

Ein Großteil der oftmals hochgelobten “Fischpässe” sei “nicht mehr als ein schlechter Witz”, so der AVN-Mitarbeiter und ermögliche weder den Fischauf- geschweige denn den Fischabstieg.

Der AVN vermisse außerdem den konsequenten Vollzug, wenn Anlagenbetreiber wieder und wieder gegen bestehende Auflagen verstießen.

Landkreise und Gemeinden dürften hier nicht einfach wegschauen. Es handele sich oftmals um Ordnungswidrigkeiten oder sogar Straftaten und nicht um Kavaliersdelikte und “ein paar tote Fische”.

Vor fast 20 Jahren wurde die WRRL als verbindliche Zielvorgabe für die EU-Mitgliedsstaaten formuliert.

Seither sei praktisch nichts passiert, so Gerken. Auch für den dritten Bewirtschaftungszyklus bis 2027 sieht er schwarz für Niedersachsens Gewässer.

“Der gute ökologische Zustand ist mit den jetzt vorgestellten Maßnahmen und Mitteln nicht erreichbar”, so der Fachmann.